Schattierungseffekte (Shading) bei Velours-Teppichböden

Hinweise zum Auftreten von Schattierungseffekten bei Velourswaren

(© Deutsches Teppich-Forschungsinstitut e.V.; Germanusstr. 5; 52080 Aachen)

Was sind Schattierungen?
Auf Velouren mit weichen, samtartigen Oberflächen entstehen während des Gebrauchs Schattierungseffekte. Dieses Schattieren, das man auch als "Schreiben" bezeichnet, wird allgemein als schön empfunden, weil es dem natürlichen Charakter des Velours entspricht. Ähnlich verhalten sich auch Samt und Wildleder. Bei wertvollen Orientteppichen wird das Schattieren ebenfalls als Kennzeichen edlen, glänzenden Polmaterials angesehen. Je feiner und glänzender das verarbeitete Material ist, um so lebendiger wirkt der Velours.

Wie entstehen Schattierungseffekte?
Die Oberschicht (Polschicht), die aus einzelnen Fäden besteht, weist nach der Fertigung eine einheitliche Neigung (Strichrichtung) auf. Sobald ein Teil der Polfäden seine Neigung aufgrund von äußeren Einwirkungen ändert, wird das Licht an den betroffenen Stellen unterschiedlich reflektiert. Schematisch lässt sich das so, wie es die Skizze zeigt, darstellen: Je nach Lichteinfall und Blickrichtung wirken die Schattierungseffekte einmal heller und, von entgegengesetzter Seite gesehen, dunkler. In Einzelfällen sind auf Velourswaren auch bleibende Schattierungen, sogenannte Shadingeffekte, zu beobachten, die unterschiedliche Formen und Größen annehmen können. Am stärksten sichtbar sind Shadingeffekte an unifarbenen Velouren, während sie an gemusterten Velouren, durch die Mehrfarbigkeit, oftmals nicht zu erkennen sind.

An welchen Teppichen treten Shadingeffekte auf?
Grundsätzlich können diese Effekte an vielen Velourswaren auftreten, unabhängig von deren Qualität. Das verwendete Polmaterial spielt dabei keine Rolle, denn Naturfasern, wie zum Beispiel Wolle, Seide, Kokos, sind davon gleichermaßen betroffen wie Synthesefasern, zum Beispiel Polyamid und Polypropylen. Ebenso haben die Herstellungsverfahren auf die Shadingbildung keinen Einfluss. Die Effekte treten bei maschinell hergestellten Velouren genauso auf wie bei handgeknüpften Exemplaren. Die Art der Verlegung (lose verlegt, verspannt, verklebt) sowie des Unterbodens ist fÜr die Entstehung des Shading ebenfalls ohne Bedeutung.

Können Shadingeffekte wieder beseitigt werden?
Im Gegensatz zu den Üblichen Trittschattierungen sind bleibende Schattierungen weder durch Bürsten und Staubsaugen, noch durch andere Reinigungsverfahren wieder zu entfernen.

Beeinflussen Shadingeffekte das Gebrauchsverfahren?
Wie Untersuchungen des Deutschen Teppich-Forschungsinstitutes in Aachen beweisen, sind die betroffenen Stellen gegenüber der Übrigen Fläche keinem vorzeitigen Verschleiß unterworfen. Das bedeutet, dass Shading das Gebrauchsverhalten hinsichtlich der Haltbarkeit nicht nachteilig verändert.

Lassen sich Shadingeffekte vermeiden?
Bei keinem Velours ist die Entstehung von Shading grundsätzlich auszuschließen. Das Risiko seines Auftretens ist allerdings gering.

Wer ist für Shadingeffekte verantwortlich zu machen?
Die Ursachen für ihr Entstehen sind bis zum heutigen Zeitpunkt trotz beträchtlicher Forschungsaufwendungen international ungeklärt. Nach den bisher vorliegenden Ergebnissen sind Shadingeffekte weder durch die Teppichherstellung noch durch die Verlegung zu beeinflussen. Der heutige Stand des Wissens deutet jedoch stark auf Einflüsse des Verlegeortes hin. So entstanden auf zahlreichen Velouren, die in einem bestimmten Gebäudeteil (Shading-Teststrecke) im Deutschen Teppich-Forschungsinstitut in Aachen verlegt wurden, immer wieder Shadingeffekte. Dabei waren die ausgelegten Veloure von unterschiedlicher Konstruktion und verschiedenen Herstellern. Aber auch durch Praxisversuche in Wohnhäusern und öffentlichen Gebäuden konnte nachgewiesen werden, dass dem Verlegeort und der Beanspruchung eine maßgebliche Bedeutung bei der Entstehung von Shading zukommt. Bleibende Schattierungen stellen zweifellos noch immer ein Phänomen dar. Wie sonst wäre es zu erklären, dass diese Effekte auch an unbegangenen Stellen auftreten oder von einer Warenbahn in die andere Übergehen. Letzteres tritt selbst dann auf, wenn völlig unterschiedliche Veloure nebeneinander verlegt werden. Shadingeffekte gehen sogar Über Trennschienen hinweg. Diese Erkenntnisse verdeutlichen, dass Shading in keinem Zusammenhang mit Produktions- oder Verlegefehlern von Velouren zu bringen ist und dass demzufolge und bei gehöriger Aufklärung auch niemand eine Gewährleistung für Shading übernehmen kann.